Fahrzeugflotte

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Carsharing bei Nutzfahrzeugen

«Teilen ist das neue Besitzen»

Der Kauf eines Nutzfahrzeugs ist eine grosse Investition und bindet viel Kapital.
Nun breitet sich auch im Nutzfahrzeugbereich ein Trend aus, der bei PW schon
etabliert ist: teilen statt besitzen.

Seit drei bis vier Jahren zeichnet sich ein eindeutiger Trend zum Mieten von Nutzfahrzeugen ab», sagt Beppi Dillier. Seit er im Jahr 2006 die «Business Fleet Swiss» gegründet hat, zeigte die Entwicklung nur in eine Richtung. Heute umfasst die Flotte von BFS rund 130 Nutzfahrzeuge – Sattelschlepper, Kühllastwagen, Betonmischer, Kipper, aber auch Anhänger und verschiedene Lieferwagen bis 3,5 Tonnen. «Wir sprechen nicht von Fahrzeugen, sondern von Transportlösungen», präzisiert Dillier. Der Bestand schwanke – weil laufend neue Fahrzeuge dazukommen und gebrauchte verkauft werden.
Dass die Fahrzeuge nach der Miete verkauft werden, widerlegt die These, dass sich Sharing und Handel gegenseitig kannibalisieren. Davon könne in der Tat keine Rede sein, sagt Dillier. «Jedes Mietfahrzeug hat ein zweites und drittes Leben, wenn es verkauft wird.» Mit der durchaus erwünschten Konsequenz, dass die von BFS vermieteten Fahrzeuge im Durchschnitt zweijährig und damit stets auf dem neusten Stand der Technik sind.

Gesellschaftliche Entwicklung
Der Trend weg vom Eigentum hin zur Nutzung folgt einer gesellschaftlichen Entwicklung, dem sich das Autogewerbe nicht entziehen kann. Für kommende Generationen wird Besitz an Bedeutung verlieren. Schon heute wird nicht mehr gekauft und besessen, sondern gemietet und geteilt, sobald der Bedarf da ist. Dillier zitiert zu diesem Thema aus dem Editorial, das AGVS-Zentralpräsident im AUTOINSIDE 9/18 geschrieben hat: «Ein Teil der künftigen Kunden will nicht primär ein Fahrzeug besitzen, sondern möglichst viele Dienstleistungen nutzen – und natürlich nur für die Zeit der Nutzung bezahlen.» Auf den Punkt gebracht, findet der BFS-Geschäftsführer.
Was im PW-Bereich mit Mobility schon gut etabliert ist, hat auch im Bereich Nutzfahrzeuge Einzug gehalten. «Teilen ist das neue Besitzen», sagt Dillier pointiert. Für den Schweizer Markt prognostiziert er ein kräftiges Wachstum. Rund 4500 Nutzfahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen wurden in der Schweiz im Jahr 2017 zugelassen. Davon, so Dillier, seien bisher rund 3 Prozent echte Mietfahrzeuge. In Deutschland seien es 12 Prozent. Mittelfristig rechnet Dillier in der Schweiz mit einem Wachstum auf 7 Prozent. «Selbstverständlich wird ein Transportunternehmer immer nur einen Teil seines Fuhrparks mieten.»

«In der Gemeinschaft sind wir stark»
Dabei macht es die BFS den potenziellen Mietkunden so einfach wie möglich. Benötigt ein Unternehmer Kapazitäten, etwa um Auftragsspitzen abzudecken, kann er aus einem breiten Angebot wählen und das gewünschte Fahrzeug an einem der fünf Stützpunkte abholen. Die Vermietstandorte in Emmen, Kägiswil, Egerkingen,Mörschwil und Bulle sind gleichzeitig Vertriebs- und Servicebetriebe von MAN. Die Betriebe in Emmen und Kägiswil sind Teil der Familien-Holding, die anderen drei Vermietstandorte werden von eigen-ständigen Partnerfirmen betrieben. «In der Gemeinschaft sind wir stark – das gilt für das Geschäft wie für die Familie», sagt Beppi Dillier. Das langjährige Vorstandsmitglied der AGVS-Sektion Zentralschweiz führt die Familienunternehmung in vierter Generation. Sein Urgrossvater gründete anno 1840 die Dillier-Fuhrhalterei, damals noch mit atmenden Pferdestärken. «Erst 1917 hat mein Grossvater die letzten Pferde verkauft , sieben Jahre nachdem er den ersten LKW erworben hat», erzählt Dillier. 1979 gründete die Familie eine MAN-Vertretung, aus der später die Nutzfahrzeug AG Zentralschweiz hervorging. Diese wird heute von Hans Peter Geser, einem ehemaligen Lernenden Dilliers, geführt.
Bemerkenswert: Die Vermietung war immer schon ein Standbein des Unternehmens. Mit der Gründung der BFS vor zwölf Jahren habe er dem Bereich eine saubere Organisation geben wollen: «Ich mag klare Strukturen. Darum wollte ich diesen Bereich nicht einfach als Kostenstelle oder Profit Center organisieren, sondern als eigenständige juristische Person.»

Flexibilität als grosser Pluspunkt
Flexibilität bietet nicht nur der grosse Fuhrpark, flexibel sind auch die Mietdauern. Sie reichen von einem Tag bis zur unbegrenzten Langzeitmiete. Dillier: «Im Durchschnitt wird ein Fahrzeug für ein halbes Jahr gemietet.» Vor allem für Jungunternehmer sei die Miete ein geeignetes Mittel, so Diller. «Sie bekommen einen Auftrag und brauchen schnellstmöglich ein Fahrzeug. Wenn der Auftrag beendet, aber kein Folgeauftrag in Sicht ist, gibt der Unternehmer das Fahrzeug einfach zurück. Sind die Auftragsbücher jedoch auch danach noch voll, kann er das Fahrzeug immer noch kaufen.»
Für die BFS-Kunden hat die Miete einen weiteren, handfesten Vorteil. «Mieter sind stets auf dem neusten Stand der Technik, bleiben liquid und setzen das richtige Fahrzeug für den Auftrag ein», erklärt Beppi Dillier. Und sie brauchen sich nicht um Dinge wie Finanzierung, Unterhalt, Reparaturen, Versicherungen oder einen späteren Verkauf zu kümmern.
BFS-Kunden sind Logistikfirmen, Firmen aus dem Bau- und Baunebengewerbe, Kantone und Gemeinden, Entsorgungsfirmen – national wie international tätige Firmen. «Das Budget dieser Unternehmen wird nicht grösser.» Wer miete, statt zu kaufen, bleibe auf dem neusten Stand der Technik, bleibe flüssig und könne erst noch Steuern sparen, zählt Dillier die Vorteile des Systems auf. Dass immer mehr Kunden auf diese Vorteile setzen, zeigt nicht nur das bisherige Wachstum von Business Fleet Swiss. Dillier will mit seinem Nutzfahrzeug-Sharing weiter wachsen und plant zwei weitere Standorte, um noch flexibler auf die Bedürfnisse seiner Kunden reagieren zu können.

MANBeppi Dillier
Quelle: AGVS

Datenschutz